Ganghestar - News
 
 
 
 

Interview at Isibless.de

Few days ago Henning Drath from Isibless.de visited us. Here below you can see the interview he took in German.

Einer der bekanntesten, erfahrensten und erfolgreichsten Reiter Islands ist Sigurður Vignir Matthíasson. In Reykjavík betreibt er gemeinsam mit seiner Frau Edda Rún Ragnarsdóttir den Berittstall "Ganghestar", und da am Donnerstag die Meisterklasse in der Ölfushöll wegen der großen Schneemassen abgeblasen werden musste, hatte isibless eine gute Gelegenheit, Siggi im Viðidalur "in zivil" zu treffen.

isibless: Hier ist ja schon wieder richtig viel los. Habt Ihr gar keine Winterpause nach einer so langen und erfolgreichen Saison 2011? Es sieht ja ganz danach aus, als wäre hier bei Ganghestar ganzjährig Betrieb?

Siggi Matt: Da hast Du Recht. Immer wenn wir uns sehen, ist Action angesagt, aber es ist tatsächlich so: wir haben jetzt drei Jahre am Stück keinen Urlaub gehabt, sondern haben einfach immer weitergearbeitet, um das Ziel der Selbstständigkeit eben auch auf ein solides Fundament stellen zu können. Von nichts kommt nichts, aber wir machen unsere Arbeit wirklich sehr gern, so kombinieren wir die Verpflichtungen mit der ungebrochen großen Freude an unseren Pferden.

Gerade die Herbst- und Wintermonate sind aber tatsächlich ganz wichtig für uns. Einerseits werden viele junge Pferde angeritten und auf ihre späteren Aufgaben vorbereitet, außerdem ist das jetzt einer der hauptsächlichen Zeiträume für den Verkauf, da viele Interessenten von September bis Jahresanfang zu uns kommen und vierbeinige Partner suchen, die zuvor natürlich gut ausgebildet und trainiert werden müssen, damit unsere Kunden auch zuverlässig deren erhoffte Leistung abrufen können. Davor kommt die eigene Wettkampf-Saison mit dem einen oder anderen Lehrgang zwischendurch, und wenn man's genau nimmt, baut eigentlich das eine Thema immer auf dem nächsten auf, und so herrscht nie Stillstand. Aber das ist ja auch prima - wir arbeiten selbstständig und das macht Spaß.

Im Moment sind wir z.B. dabei, unsere Turnierpferde wieder 'reinzuholen und sie auf die kommende Saison vorzubereiten. Das ist natürlich besonders schön, weil man sich ja neben allen anderen Aufgaben, die zu bewältigen sind, vor allem doch immer und immer wieder auf's Reiten freut.

isibless: Womit genau beginnt die neue Saison für Euch? Jetzt geht's ja erst einmal mit den Hallenturnieren der Meisterklasse los, aber habt Ihr auch schon einen Plan für die Freiluft-Saison?

Siggi Matt: Ich denke, das wird die Reykjavík-Meisterschaft sein. Das hört sich immer ein bisschen nach reinem Stadt-Turnier an, ist aber jedes Jahr ein riesiges Fest, und dafür kommen dann auch immer wieder richtig viele Kollegen aus nah und fern zu uns nach Reykjavík. Das ist immer in der ersten Mai-Hälfte, und darauf freuen sich alle Kollegen.

isibless: Hast Du schonmal darüber nachgedacht, wieder in Deutschland zu reiten?

Siggi Matt: Oh ja, auf jeden Fall. Ich hab' das ja auch schon gemacht, als ich 16 oder 17 Jahre alt war. Da habe ich eine Saison in Deutschland verbracht, als ich bei Kóki gearbeitet habe. Das hat mir wirklich sehr gefallen, und vielleicht wird es in Zukunft mal wieder möglich sein, dann eben auch gemeinsam mit meiner Frau Edda Rún eine Saison bei Euch zu verbringen. Es könnte sich ja vielleicht mal eine Gelegenheit anbieten, dass man mit eigenen Pferden nach Deutschland kommt, einige von ihnen dann auch erstmal selbst vorstellt. Und wenn sich dann die Möglichkeit ergibt, für diese Pferde neue Reiter und ein gutes neues Zuhause zu finden, kann man ja auch wieder beruhigt zurück nach Island fahren, was für die Pferde eben nicht möglich ist.

Es wäre wirklich schön, wenn das in der Zukunft klappen könnte - einfach mal wieder etwas Neues erleben und sicher auch neue Dinge lernen. Es ist ja nicht so, dass nur wir hier auf Island die Weisheit mit Löffeln gefressen hätten; ich wäre also wirklich offen dafür. Und wenn man das Reiten dann vielleicht mit einigen Lehrgängen ergänzen könnte und sich Kontakte aufbauen lassen, dass dann auch einige Gäste später zu uns nach Island kommen können, wäre das wirklich schön.

isibless: Wie viele Pferde zeigst Du eigentlich jedes Jahr im Schnitt? Das dürfte ja 'ne echte Menge sein. Hast Du jemals darüber eine Statistik angelegt?

Siggi Matt: Na ja, ich reite ja nicht, um irgendwelche Rekorde bei den alljährlich gerittenen Pferden aufzustellen, und daher nehme ich erstmal genau die Zahl von Pferden an, die ich bzw. die wir auch überhaupt bewältigen können. Ich zähle eigentlich nie wirklich nach, wenn Du mich jetzt aber nach 2011 fragst, dürften es rund 80 gewesen sein, die ich im Sport, im Gæðingakeppni und in Zuchtprüfungen vorgestellt habe.

isibless: Kannst Du ein Highlight des letzten Jahres und in Deiner Karriere allgemein benennen?

Siggi Matt: Bei meinen eigenen Pferden bin ich im Rückblick auf 2011 besonders auf Máttur (frá Leirubakka) und Hringur (frá Fossi) stolz, natürlich auch auf Arnoddur (frá Auðsholtshjáleigu), den Weltmeister-Hengst aus der Zucht von Gunnar Arnarson, der jetzt bei Claudia Reister in Deutschland lebt. Es ist aber schwierig, solche Dinge pauschal zu beurteilen. Jedes Pferd ist speziell, und bei dem einen bin ich besonders über den Charakter froh, beim anderen ist es ein Gang wie Tölt oder Rennpass, das fühlt man oft ganz individuell, und es ist nicht immer leicht, das eine Pferd dem anderen vorzuziehen. Ich liebe unsere Pferde allgemein sehr, und ich freue mich eben wirklich, das zum Haupt-Lebensinhalt gemacht haben zu dürfen.

Wenn ich auf die Jahre meiner aktiven Laufbahn zurückschaue, habe ich wohl am meisten gelernt von Huginn frá Kjartansstöðum. Mit ihm habe ich enorm viel erlebt, und er war nicht nur Weltmeister im Fünfgang, was 1995 in der Schweiz für mich zunächst wirklich unvorstellbar war, sondern er hat einfach eine so faszinierende Persönlichkeit. Ein echter Gæðingur! Er ist ja nun auch sogar wieder ganz lebendig im Gespräch als einer der "Old Heroes" für die WM in Berlin 2013, und wenn er bis dahin gesund bleibt, würde ich mich über ein Wiedersehen echt freuen! Aber auch Fálki (frá Sauðárkróki) möchte ich nicht vergessen, mit ihm habe ich nämlich auch eine extrem gute und lehrreiche Zeit verbracht, für die ich sehr dankbar bin.

isibless: Kommen wir von der Vergangenheit mal zum Blick nach vorn. In Deutschland herrscht ja schon jetzt Hochbetrieb in den Vorbereitungen zur Weltmeisterschaft im eigenen Lande. Ist Berlin im August 2013 auch für Dich ein Ziel, und wie schätzt Du den Stellenwert der nächsten WM allgemein ein?

Siggi Matt: Ich glaube, wirklich jeder will zur Weltmeisterschaft in Berlin fahren. Ohne Ausnahme. Das ist einfach ein Riesen-Gesprächsthema hier, und nicht nur wollen selbstverständlich alle Reiter dort dabeisein - das ist ja hier in Island auch nicht unbedingt bei jeder WM so -, sondern auch ganz viele allgemeine Pferdefreunde haben schon jetzt ihre Tickets und Hotelzimmer gebucht. Soetwas habe ich noch nie erlebt, und natürlich wäre ich auch gern dabei. Ich schätze, Berlin 2013 wird das größte und beste Islandpferde-Event, das die Welt je gesehen hat.

Es wird ein wunderbares Schaufenster für unsere Pferderasse sein, für Island natürlich auch, außerdem wird dann ja auch jeder sehen können, wie vielseitig und für alle Zielgruppen geeignet unsere Pferde sind. Dazu kommt, dass es eine Erweiterung der Startplätze für junge Reiter gibt und dass es erstmals auch eigene Finals und eine eigene Würdigung im Feld dieser "Young Riders" gibt und dass man nicht als 17. der allgemeinen Liste irgendwann noch ganz nebenbei eine Medaille umgehängt bekommt. Das ist schön, und ich finde es wirklich gut, dass alle Aktiven damit auch vom jungen Alter bis zu den erfahrenen Profis angemessen gewürdigt werden. In Berlin geht's los, und das könnte eine ganz neue Zeitrechnung für Islandpferdeturniere bedeuten.

isibless: Wenn Du so eine WM auf dem Kalender hast und die ist zeitlich noch ein ganzes Stück entfernt - wie und wann beginnen Deine Vorbereitungen für solch ein Projekt? Und wie funktioniert die Pferdeauswahl?

Siggi Matt: Man denkt natürlich immer darüber nach, welche Pferde gut für ein Landsmót oder für eine WM geeignet wären. Manchmal geht der Traum in Erfüllung, manchmal nicht - viele Pferde werden ja auch vorher verkauft, was dann zwar für den ursprünglichen Plan blöd ist, aber wenn man davon lebt, eben auch zur Normalität gehört. Ich kann sie ja nicht alle behalten, das geht leider nicht. Ich könnte mir im Moment aber sehr gut vorstellen, Máttur oder Hringur zur WM nach Berlin mitzunehmen, wenn wir uns vorher entsprechend gut präsentieren und bis dahin gesund bleiben … und wenn sie dann noch bei uns sind.

isibless: Wer gehört zu Deinem Team, wer unterstützt Dich bei der vielen Arbeit?

Siggi Matt: Allen voran natürlich meine liebe Frau Edda. Wir sind ein wirklich gutes Team und wir ergänzen uns echt optimal. Im Training tauschen wir auch gern mal die Pferde - das machen wir allerdings auch unter Kollegen hier im Viðidalur ebenso, um eine weitere Meinung oder ein paar Tipps zu bekommen -, weil man eben auch ganz unterschiedliche Sensibilitäten hat, und wenn man dann darüber spricht und gemeinsam an Lösungen für etwaige Problemchen arbeitet, ist das im Teamwork einfach deutlich besser als allein.

Außerdem haben wir eine sehr gute, aufmerksame, sorgfältige und reiterlich talentierte Gruppe an Helfern und Trainern hier bei uns. Das ist insgesamt eine hervorragende Mannschaft, wo jeder seine Stärken hat - ich bin dankbar und froh über jeden einzelnen, der uns vom Training über die Pflege und Versorgung der Pferde bis zum Hufbeschlag usw. unterstützt.

isibless: Sprechen wir über's Landsmót, das in diesem Sommer hier direkt vor Eurer Haustür stattfindet. Worauf dürfen sich die Gäste freuen, und was kannst Du denen sagen, die sich noch nicht entschieden haben, ob sie vom 25. Juni bis 1. Juli kommen wollen oder nicht?

Siggi Matt: Das fällt mir natürlich sehr leicht, für unser Landsmót hier in Reykjavík die Werbetrommel zu rühren, denn ich stehe ja auch wirklich voll dahinter. Viele Leute sind ganz fleißig damit beschäftigt, eine tolle Veranstaltung zu organisieren, und wir können Euch nicht nur die besten Pferde Islands und eine Reihe starker Wettkämpfe versprechen, sondern eben auch ein ganz wunderbares Erlebnis durch die direkte Anbindung an die Stadt und einen ebenso leichten Zugang zur freien Natur. Das wird schon eine fantastische Sache.

In 10 Minuten seid Ihr im Zentrum von Reykjavík, und es dauert nicht länger, bis man zum Lachsfischen kommt oder natürlich auch gern auf eine Reittour gehen kann. Da ist wirklich für jeden etwas dabei und es ist eine wohl einmalige Chance, ganz viel zu sehen und zu erleben. Natürlich ist es auch überhaupt keine große Entfernung z.B. für Familien, um solche Naturschauspiele wie Geysir und Gullfoss zu besuchen oder zum Whale Watching zu fahren. Dann ist man eben nicht wirklich den ganzen Tag an seinen Tribünenplatz gefesselt, sondern Ihr habt ganz viele Gelegenheiten, Island zu entdecken. Diese Mischung macht den besonderen Reiz aus. Ihr seid alle herzlich willkommen!

isibless: Schön, dass Ihr alle in Berlin dabeisein wollt - wir kommen dafür auch wirklich gern zum Landsmót, versprochen. Danke für's Gespräch und weiterhin alles Gute!
 
 

www.ganghestar.is | Siggi Matt & Edda Rún | Vesturási 24 | 110 Reykjavík | Sími: 777 8002 & 897 1713 | info@ganghestar.is


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